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Tut Religion der Seele gut?
Geschrieben von: theo   

Tag für Tag der gleiche Trott. Aufstehen, zur Arbeit, Schule oder Universität gehen, abends nach Hause kommen. Manchmal scheint es, man wird zur Maschine. Man erledigt repetitiv seine Aufgaben und Pflichten, gönnt sich ab und zu etwas Nettes. Doch besondere Ereignisse reißen Einen aus dem grauen Alltag heraus. Man hat sich neu verliebt, ein Kind kommt zur Welt oder ein geliebter Mensch stirbt. Plötzlich hält man inne, blickt vom prall gefüllten Terminkalender auf und beginnt in sich hineinzuhören. Man nimmt sich die Zeit, seine eigene Situation zu reflektieren. Plötzlich merkt man, dass etwas gefehlt hat. Diese innere Unruhe wird auch gern als Sehnsucht nach Gott beschrieben.

Selbst nichtreligiöse Menschen verspüren diese Sehnsucht nach Gott und sie ist allgegenwärtig, auch wenn man ihr im Alltagsstress wenig Beachtung schenkt. Es ist das Gefühl, sich sicher und verstanden zu fühlen. Die Sehnsucht, die Einsamkeit zu durchbrechen. Doch Sicherheit ist in der heutigen Zeit eher schwer zu finden. Nichts ist beständiger als der ständige Wechsel. Nichts scheint sicher zu sein, nicht der Euro, der Arbeitsplatz oder gar die eigene Ehegemeinschaft beziehungsweise Partnerschaft.

Neben den eigenen erfreulichen oder traurigen Ereignissen sind es vor allen Dingen die christlichen Feiertage, wie Weihnachten oder Ostern, die die Selbstreflektion stimulieren. Die Kirchen, die sonst nur ihre kleine treue Gemeinschaft zur Predigt empfangen, sind zu Weihnachten zum Bersten voll. So dringlich ist das Bedürfnis bei Nichtgläubigen und U-Boot-Christen, an festen Traditionen festzuhalten und im Kreis der Familie einen Moment innezuhalten.

Die Sehnsucht nach Gott oder nach Sicherheit ist ein Bestandteil des Menschsein, den man nicht unbeachtet lassen sollte. Schließlich sind psychische Erkrankungen, wie Depressionen und Burn Out, heute keine Randerscheinungen mehr sondern Volkskrankheiten.